Welche Regeln gelten für Leichte Sprache im Web?
Leichte Sprache ist eine besonders stark vereinfachte Sprachform für Menschen mit erheblichen Verständnishürden. Sie arbeitet mit ausgewählten Informationen, bekannten Wörtern, kurzen Sätzen, klarer Gliederung und unterstützendem Layout. Eine automatische Fassung ist nur ein Entwurf: Fachleute und möglichst Menschen aus der Zielgruppe müssen Inhalt, Verständlichkeit und Wirkung prüfen.
Leichte Sprache und Einfache Sprache unterscheiden
| Kriterium | Leichte Sprache | Einfache Sprache |
|---|---|---|
| Zweck | Sehr niedrige sprachliche Barrieren | Komplexe Inhalte für eine breite Öffentlichkeit klarer machen |
| Zielgruppe | Menschen mit erheblichen Verständnishürden | Viele Menschen, auch bei wenig Zeit, Fachwissen oder Sprachpraxis |
| Reduktion | Stärkere Auswahl, Erklärung und Aufteilung | Klar und direkt, aber näher an allgemeiner Standardsprache |
| Layout | Starke visuelle Führung und kurze Sinnabschnitte | Gut lesbares, barrierefreies Standardlayout |
| Prüfung | Fachprüfung und Prüfung mit der Zielgruppe sind zentral | Redaktionelle Prüfung und Nutzertests nach Risiko |
| Bezug | BITV 2.0, DIN SPEC 33429 und Inclusion Europe je nach Kontext | DIN 8581-1 und allgemeine Verständlichkeitsregeln |
Praktische Regeln für Redaktion und Interface
Beispiel mit Anmerkungen
Illustration, keine zertifizierte oder zielgruppengeprüfte Ausgabe.
Ausgangstext
Um die Bearbeitung zu beschleunigen, müssen Nutzerinnen und Nutzer nach erfolgreicher Anmeldung zunächst ihre persönlichen Angaben prüfen, fehlerhafte Angaben unmittelbar online aktualisieren und den Vorgang anschließend digital bestätigen.
Überarbeitete Fassung
Melden Sie sich an. Prüfen Sie dann Ihre Angaben. Ist eine Angabe falsch? Dann ändern Sie die Angabe direkt. Bestätigen Sie danach Ihre Angaben.
Angewandte Regeln
- Ein langer Satz wird in Handlungsschritte aufgeteilt.
- Die Reihenfolge wird sichtbar.
- Das unklare Pronomen sie wird durch die Angabe ersetzt.
- Die Nebeninformation zum Verwaltungstempo entfällt.
Fachprüfung und Prüfung mit der Zielgruppe
- 1Original und vereinfachte Fassung fachlich abgleichen.
- 2Begriffe, Auslassungen, Zahlen, Fristen und Rechtsfolgen prüfen.
- 3Menschen aus der vorgesehenen Zielgruppe typische Aufgaben bearbeiten lassen.
- 4Beobachtungen dokumentieren und die Fassung überarbeiten.
- 5Freigabe, Version und nächste Prüfung nachvollziehbar festhalten.
Was BITV 2.0 § 4 tatsächlich verlangt
BITV 2.0 gilt für Websites und mobile Anwendungen öffentlicher Stellen des Bundes. § 4 verlangt auf der Startseite Hinweise zu wesentlichen Inhalten, Navigation, Barrierefreiheitserklärung und wesentlichen Inhalten in Gebärdensprache und Leichter Sprache. Anlage 2 beschreibt die dafür einzubeziehenden Angaben. Landes- und Kommunalstellen unterliegen den jeweils anwendbaren Landesregeln. Daraus folgt keine identische Pflicht für jede Organisation oder jede einzelne Unterseite.
Anforderungen richtig einordnen
| Kategorie | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Rechtliche Anforderung | BITV 2.0 § 4 für erfasste Bundesstellen | Verbindlich im jeweiligen Anwendungsbereich |
| DIN-Norm | DIN 8581-1 Einfache Sprache | Konsensbasierte Norm, nicht allein durch Existenz Gesetz |
| DIN-Spezifikation | DIN SPEC 33429 Leichte Sprache | Spezifikation mit Empfehlungen und Kriterien |
| Accessibility-Leitlinie | WCAG 2.2 Kriterium 3.1.5 | Internationaler Maßstab für ergänzende Inhalte bei hohem Leseniveau |
| Redaktionelle Praxis | Zielgruppentest und dokumentierte Freigabe | Risikogerechte Qualitätsmaßnahme |
Häufige Fragen
Welche Regeln gelten für Leichte Sprache?
Informationen werden ausgewählt, bekannte Wörter verwendet, Sätze kurz gehalten und Inhalte klar gegliedert. Layout und Bilder unterstützen das Verstehen. Fach- und Zielgruppenprüfung bleiben erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache?
Leichte Sprache reduziert stärker und richtet sich vor allem an Menschen mit erheblichen Verständnishürden. Einfache Sprache bleibt näher an allgemeiner Standardsprache und spricht eine breitere Zielgruppe an.
Für wen gilt BITV 2.0 § 4?
Die Bundesverordnung gilt für öffentliche Stellen des Bundes. Für Länder und Kommunen sind die jeweils anwendbaren Landesregeln zu prüfen. § 4 verlangt bestimmte Hinweise auf der Startseite, nicht pauschal jede Seite in Leichter Sprache.
Ist DIN eine gesetzliche Pflicht?
Eine DIN-Norm oder DIN-Spezifikation ist nicht allein wegen ihrer Veröffentlichung ein Gesetz. Sie kann durch Vertrag, Vergabe, Verwaltungsvorgabe oder Rechtsverweis relevant werden.
Kann KI Leichte Sprache automatisch erstellen?
KI kann einen Entwurf erstellen. Sie kann aber falsche Auslassungen, Bedeutungsverschiebungen oder ungeeignete Begriffe erzeugen und ersetzt keine fachliche Freigabe oder Zielgruppenprüfung.
Wer sollte Leichte Sprache prüfen?
Eine fachkundige Person prüft Inhalt und Regeln. Zusätzlich sollten Menschen aus der vorgesehenen Zielgruppe prüfen, ob sie Informationen finden, verstehen und anwenden können.